Kinder und Jugendliche bringen ihre Themen nicht immer in Worten zum Ausdruck. Spiel, Bewegung, Bilder, Geschichten und andere kreative Medien können deshalb wichtige Zugänge zu ihrem Erleben sein. Gestalttherapie knüpft an diesen Ausdrucksformen an und bezieht zugleich die Beziehung, die aktuelle Lebenssituation und das soziale Umfeld des Kindes oder Jugendlichen ein.
Die Arbeit erfordert besondere therapeutische Kompetenzen. Entwicklungspsychologische Fragen spielen ebenso eine Rolle wie die Gestaltung einer tragfähigen Beziehung, der Einsatz altersgerechter Methoden und die Zusammenarbeit mit Eltern und anderen Bezugspersonen. Auch Krisen, familiäre Belastungen und psychische Erkrankungen im Umfeld von Kindern und Jugendlichen können Teil der therapeutischen Arbeit sein.
Zwei Wege zur Qualifikation für die gestalttherapeutische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an.
Die mehrjährige Weiterbildung richtet sich an Menschen, die eine umfassende gestalttherapeutische Qualifikation mit dem Schwerpunkt Kinder und Jugendliche erwerben möchten. Sie verbindet gestalttherapeutische Grundlagen und Selbsterfahrung mit spezifischen Methoden für unterschiedliche Entwicklungsphasen. Kreative Medien, Spiel und Beziehungsgestaltung gehören ebenso dazu wie systemische Perspektiven, Diagnostik und die Arbeit mit Eltern und Familien. Theorie, eigene Erfahrung, praktische Arbeit und Supervision werden miteinander verbunden.
Das einjährige Ergänzungscurriculum richtet sich an Kolleginnen, die bereits eine Weiterbildung in Gestalttherapie oder Gestaltberatung abgeschlossen haben. Aufbauend auf ihrer vorhandenen Qualifikation erwerben sie die zusätzlichen Kenntnisse und praktischen Kompetenzen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Das Curriculum umfasst acht Wochenendseminare und wird durch Supervision und eigene Behandlungspraxis ergänzt.
Kinder und Jugendliche in ihrem Umfeld verstehen
Gestalttherapeutische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen richtet den Blick nicht allein auf Symptome oder Schwierigkeiten. Sie fragt danach, wie ein Kind oder eine Jugendliche ihre gegenwärtige Situation erlebt, welche Möglichkeiten des Ausdrucks und der Selbstregulation zur Verfügung stehen und welche Unterstützung im jeweiligen Umfeld gebraucht wird.
Dabei wird das familiäre und soziale Feld mitgedacht. Eltern und andere Bezugspersonen können deshalb in die Arbeit einbezogen werden. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche in ihren Entwicklungsprozessen zu begleiten und ihre Möglichkeiten zu Kontakt, Ausdruck und eigenem Handeln zu erweitern.
Lernen durch Erfahrung und Praxis
Die Weiterbildung am HIGW verbindet theoretisches Wissen mit Selbsterfahrung, praktischer Anwendung und Supervision. Die Teilnehmerinnen lernen Methoden nicht nur kennen, sondern erproben und reflektieren sie im eigenen Prozess und in der therapeutischen Arbeit.
Ein besonderer Stellenwert kommt dabei Spiel und kreativen Medien zu. Sie werden nicht als bloße Techniken verstanden, sondern als Möglichkeiten, mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu kommen und ihre jeweilige Art des Erlebens und Ausdrucks aufzugreifen.