Gestaltberatung

Gestaltberatung lernen: Praxisnah, prozessorientiert und fundiert

Wie kann ich Menschen so begleiten, dass Veränderung möglich wird und Krisen bewältigt werden können?
Wie gelingt es, eine tragfähige Beratungsbeziehung so zu gestalten, dass sie Entwicklung ermöglicht?
Und woran erkenne ich, was im Beratungsprozess gerade wirklich geschieht?

Die Weiterbildung Gestaltberatung richtet sich an Menschen, die Beratung nicht als Anwendung von Methoden verstehen, sondern als lebendigen Prozess im Kontaktgeschehen. Sie verbindet Selbsterfahrung, Theorie und Praxis zu einer fundierten beraterischen Kompetenz.

Was ist Gestaltberatung?

Die Weiterbildung Gestaltberatung ist eine dreijährige berufsbegleitende Weiterbildung für Beratung auf gestalttherapeutischer Grundlage.

Gestaltberatung ist eine Weiterbildung im Gestaltansatz mit dem Fokus auf professionelle Beratung in psychosozialen, pädagogischen und organisationalen Kontexten.

Im Unterschied zur Gestalttherapie steht nicht die Bearbeitung tiefgreifender psychischer Störungen im Vordergrund, sondern die Begleitung von Entwicklungs-, Entscheidungs- und Veränderungsprozessen im aktuellen Lebenskontext. Tiefergehende Themen können dabei berührt werden, stehen jedoch nicht im Zentrum der Arbeit.

Was Sie in der Weiterbildung lernen

Im Verlauf der Weiterbildung entwickeln Sie die Fähigkeit, Beratungsprozesse eigenständig zu gestalten und professionell zu reflektieren.

Dazu gehören unter anderem:

  • Wahrnehmung von Kontaktprozessen und Dynamiken im Hier und Jetzt
  • Gestaltung dialogischer Beratungsbeziehungen unter Einbeziehung der Lebenswelt der Klient*innen
  • Anwendung gestaltorientierter Methoden und Techniken in konkreten Situationen
  • prozessorientierter Einsatz kreativer Medien (z. B. Arbeit mit Raum, Körper, Ausdruck, Inszenierung)
  • Umgang mit Emotionen, Ambivalenzen, Krisen und Konflikten
  • Entwicklung von Resonanzfähigkeit und dialogischer Haltung
  • Prozessanalyse, Feedback und Reflexion des eigenen Handelns

Die Weiterbildung ist erfahrungsbezogen aufgebaut: Methoden werden nicht nur vermittelt, sondern im eigenen Erleben erfahren und in der Praxis erprobt.

Nach der Weiterbildung nehmen viele Teilnehmer*innen Kontaktprozesse klarer wahr und gewinnen mehr Sicherheit darin, Beratungen zu führen und zu gestalten.

Wie Gestaltberatung arbeitet

Gestaltberatung arbeitet mit einer Vielzahl von Methoden und Techniken.

Diese werden jedoch nicht schematisch angewendet. Sie entstehen aus der Wahrnehmung der konkreten Situation im Kontakt.

Intervention entwickelt sich aus:

  • Wahrnehmung
  • Situation
  • Beziehung

Das bedeutet:
Technik folgt dem Kontakt – nicht umgekehrt.

Im Unterschied zu vielen methodenorientierten Ausbildungen wird Beratung nicht über Technikanwendung gesteuert, sondern über die Fähigkeit, das, was im Moment geschieht, wahrzunehmen und daraus angemessen zu handeln.

Für wen die Weiterbildung geeignet ist

Die Weiterbildung richtet sich insbesondere an:

  • Fachkräfte aus sozialen, pädagogischen, psychologischen und medizinischen Arbeitsfeldern
  • Menschen in beratenden oder führenden Rollen
  • Personen, die ihre beraterische Kompetenz professionalisieren möchten
  • Menschen, die gestaltorientiert mit Einzelnen, Gruppen oder Organisationen arbeiten wollen

Nicht geeignet ist die Weiterbildung für Menschen,
die Beratung ausschließlich kognitiv und ohne eigene emotionale Beteiligung anstreben oder die vor allem Methoden und Techniken anwenden wollen, ohne sich selbst in den Prozess einzubeziehen.

Aufbau der Weiterbildung

Die Weiterbildung ist mehrjährig angelegt und baut systematisch aufeinander auf.

  1. Jahr – Grundlagen (Grundkurs)

Einführung in Haltung, Methoden und Arbeitsweise der Gestalttherapie und Gestaltberatung.
Selbsterfahrung, Theorie und erste praktische Anwendungen stehen im Mittelpunkt.

  1. Jahr – Vertiefung und Professionalisierung
  • Anwendung gestaltorientierter Methoden in der Gruppe
  • Arbeit mit Identität, Rollen und Dynamiken
  • Konfliktbegleitung und Beziehungsgestaltung
  • kreative und erlebnisaktivierende Methoden
  • Vertiefung theoretischer Grundlagen
  1. Jahr – Professionalisierung und Praxis
  • eigenständige Beratung von Klient*innen
  • diagnostische und prozessorientierte Perspektiven
  • Umgang mit Krisen und komplexen Situationen
  • Arbeit mit Gruppen und unterschiedlichen Kontexten
  • Integration von Theorie, Praxis und Haltung

Ziel ist es, Beratung sicher, reflektiert und situationsangemessen gestalten zu können.

Anschlussmöglichkeiten

Im Anschluss an die drei Jahre ist es möglich:

  • ein 4. Jahr für den Abschluss Gestalttherapeut*in (DVG, EAGT, EAP) zu absolvieren
  • ein Ergänzungscurriculum in Gestalttherapie mit Kindern und Jugendlichen (Abschluss: Gestalt Kinder- und Jugendlichentherapeut*in, DVG)
  • ein Ergänzungscurriculum in Supervision / Coaching (Abschluss: Supervisor*in / Coach, DVG)
  • ein Ergänzungscurriculum in Paarberatung / Paartherapie

Was die Weiterbildung am HIGW besonders macht

Ein zentraler Schwerpunkt am HIGW liegt auf dem individuellen kreativen Ausdruck.

Beratungsprozesse werden nicht nur reflektiert, sondern aktiv gestaltet – über Körper, Raum, Inszenierung und kreative Medien. Dadurch entstehen Erfahrungsräume, die über rein verbale Beratung deutlich hinausgehen.

Gleichzeitig orientiert sich die Arbeit konsequent am Supportgedanken von Lore Perls:
Entwicklung entsteht dort, wo ausreichend Unterstützung vorhanden ist, um neue Erfahrungen zu wagen.

Diese Verbindung aus kreativem Ausdruck und tragfähigem Support prägt die Weiterbildung am HIGW und unterscheidet sie deutlich von stärker kognitiv oder methodisch ausgerichteten Ausbildungen.

Die Weiterbildung entspricht den Standards der Deutsche Vereinigung für Gestalttherapie und den Kriterien der Deutsche Gesellschaft für Beratung und ist international eingebunden, unter anderem über die European Association for Gestalt Therapy und die European Association for Psychotherapy.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Gestaltberatung und Gestalttherapie?
Gestaltberatung arbeitet mit aktuellen Fragestellungen und Entscheidungsprozessen im Lebenskontext. Tiefergehende psychische Themen können berührt werden, stehen jedoch nicht im Zentrum. Gestalttherapie ist auf die Bearbeitung komplexerer psychischer Prozesse ausgerichtet.
Beratung ersetzt keine heilkundliche Psychotherapie (eingeschränkt auf das Heilpraktikergesetz).

Kann ich nach der Weiterbildung als Berater*in arbeiten?
Ja. Die Weiterbildung qualifiziert für die professionelle Beratung in unterschiedlichen Kontexten und entspricht den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Beratung (DGfB) sowie der Deutschen Vereinigung für Gestalttherapie (DVG).

Brauche ich Vorerfahrung?
Berufserfahrung im Umgang mit Menschen ist erforderlich. Ein Quereinstieg ist möglich. Die persönliche Eignung wird im Einstiegsprozess geprüft.

Wie praxisnah ist die Weiterbildung?
Die Weiterbildung ist konsequent praxisbezogen. Neben Übungen und Selbsterfahrung sammeln Sie eigene Beratungserfahrungen und reflektieren diese fachlich.

Wie lange dauert die Weiterbildung?
Die Weiterbildung umfasst in der Regel drei Jahre.

Was kostet die Weiterbildung?
Die Kosten variieren je nach Kursformat und Rahmenbedingungen. Genaue Informationen erhalten Sie auf Anfrage.

 

Gestaltberatung ist keine Sammlung von Techniken, die unabhängig von der Situation angewendet werden.

Sie ist eine Form professioneller Begleitung, die aus Wahrnehmung, Beziehung und Erfahrung entsteht.

Die Weiterbildung am HIGW bietet dafür einen strukturierten und zugleich lebendigen Lernraum – für Menschen, die Beratung nicht nur anwenden, sondern verstehen und gestalten wollen.

Alle Infos zu dieser Weiterbildung als Download (PDF).

Struktur der mehrjährigen Weiterbildung

Grundkurs gestaltorientierte Arbeitsweisen

Im Grundkurs erhalten die Teilnehmenden einen umfassenden Einblick über die Möglichkeiten der Gestalttherapie auf der Basis von Selbsterfahrung, Theorie und Praxis sowie der Anwendung gestalttherapeutischer Interventionen.

Seminarinhalte im Grundkurs Gestalttherapie

  • Selbst- und Fremdwahrnehmung: Umgang mit Gefühlen und Atmosphären sowie Einsatz gestalttherapeutischer Prozessfragetechniken.
  • Kreative Medien: Erfahrungsorientierte Anwendung von Farbe, Ton, Masken, Seilen, Steinen und anderen Materialien – gestaltorientiert bearbeitet.
  • Imaginations- und Achtsamkeitstechniken: Entspannung, Zentrierung und Förderung der Körperwahrnehmung.
  • Leiborientierte Gestaltarbeit: Grundlagen von Leibbewusstsein und Bewegungserfahrung, Arbeit mit Körperbildern und gezielte gestaltorientierte Interventionen.
  • Lebensthemen und Gestaltexperimente: Inszenierungstechniken, Arbeit mit Lebensszenen und Theaterspiel.
  • Gesprächsführung und Kommunikation: Gestaltorientierte Gesprächstechniken, nonverbale Kommunikation, Begleitung regressiver Prozesse, Entwicklung von Resonanzfähigkeit.
  • Theorie der Gestalttherapie I: Grundlagen wie das Organismusmodell, Gestaltpsychologie, Phänomenologie, Kontakt und Grenzen, Bewältigungsstrategien, Vordergrund und Hintergrund, Prägnanz.
  • Prozessanalyse und Feedback: Entwicklungs- und Prozessanalyse, Sharing, Feedback und Screening.

Abschluss:

  • Testat und Kolloquium: Offizielle Anerkennung des Grundkurses Gestalttherapie.

Seminarinhalte

Professionalisierung im zweiten Ausbildungsjahr

Im zweiten Jahr steht die Vertiefung und Professionalisierung der gestaltorientierten Arbeit im Fokus. Die Teilnehmenden üben, die Grundlagen der Gestalttherapie innerhalb der Ausbildungsgruppe anzuwenden, zu reflektieren und weiterzuentwickeln.

Schwerpunkte:

  • Erlebnisaktivierende Methoden: Beratung mit individuellen und feldorientierten Perspektiven.
  • Identitätsentwicklung: Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen, persönlicher Identitätsentwicklung sowie gemeinsamen Dynamiken in Beratung und Therapie.
  • Konfliktbegleitung: Interventionsstrategien, Beziehungsklärung und Berücksichtigung von Feld, Situation und sozialem Kontext.
  • Körper- und Bewegungskommunikation: Leiblicher Ausdruck, Dynamiken, Reizempfänglichkeit und Zuwendbarkeit.
  • Lebenslinien und Zukunftsprojektionen: Arbeit mit Lebenspanoramen, Themen und möglichen Zukunftsbildern.
  • Kreative Methoden: Psychodrama, Rollenspiel, Theatertherapie sowie Gestaltarbeit mit Märchen und Träumen.
  • Theorie der Gestalttherapie: Vertiefung philosophischer und theoretischer Grundlagen, gestalttheoretische und phänomenologische Erklärungsmodelle sowie Abgrenzung zu anderen Verfahren.

Dieses Jahr bietet Ihnen die Möglichkeit, Ihr Wissen und Ihre Fähigkeiten zu professionalisieren und noch tiefer in die gestaltorientierte Arbeit einzutauchen.


Professionalisierung und Abschluss im dritten Ausbildungsjahr

Im dritten Jahr liegt der Schwerpunkt auf der Professionalisierung im Umgang mit diagnostischen Perspektiven und dem sicheren Begleiten schwieriger Situationen. Die Teilnehmenden sammeln erste Praxiserfahrungen in der Beratung von Klient*innen und in der Begleitung therapeutischer Prozesse.

Schwerpunkte:

  • Beziehung und dialogische Haltung: Ethische Grundsätze, Resonanzen im Kontakt und ihre Nutzung in Beratung und Therapie.
  • Diagnostik und Planung: Prozess- und situationsorientierte Diagnostik, Erstgespräch, Behandlungsplan, Entwicklungstheorie sowie Grundlagen der Neurobiologie und Bindungstheorie.
  • Krisenintervention: Umgang mit Krisensituationen, Aktivierung von Ressourcen, Distanzierungstechniken, Stabilität und Selbstfürsorge.
  • Indikationen und spezifische Ansätze: Feldspezifische Methoden, z. B. bei Sucht, sowie gestaltorientierte Interventionen für Paare und Familien.
  • Arbeit mit Gruppen: Theorie und Praxis von Gruppentherapie, Selbsterfahrungs- und Lerngruppen; prozess- und zielorientiertes Leiten von Gruppen.
  • Kritische Situationen: Umgang mit schwierigen Diagnosen und Herausforderungen in Beratung und Therapie.
  • Vielfalt der Methoden: Einsatz unterschiedlicher Medien, Nutzung von Aufstellungen und Themenseminare mit Fachtrainer*innen aus anderen Bereichen.
  • Reflexion und Perspektiven: Persönlicher Entwicklungsprozess, Anwendung des Gestaltansatzes im Berufsfeld, Kompetenzprofil und Entwicklung neuer Perspektiven.
  • Theorie: Gestalttherapeutisches Handlungsmodell, Neue Phänomenologie, Leibtheorie, Themenstrukturierung und diagnostische Grundlagen im Zusammenspiel von Theorie und Praxis.

Abschluss:

  • Zertifikat: Gestaltberater*in (Kolloquium).
  • Anerkennung: Die Ausbildung in Gestaltberatung ist durch die DVG anerkannt, die Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Beratung (DGfB) ist.

Dieses Ausbildungsjahr schließt die Weiterbildung mit einem umfassenden Kompetenzprofil ab, das Sie optimal auf die professionelle Arbeit in Beratung und Therapie vorbereitet.


Struktur der Weiterbildung

1. Jahr (Grundkurs Gestaltorientierte Arbeitsweisen)

  • 1 Einstiegsseminar
  • 7 Wochenendseminare
  • 1 Wochenseminar
  • 8 Regionaltreffen

2. Jahr

  • 7 Wochenendseminare
  • 1 Wochenseminar
  • 8 Regionaltreffen

3. Jahr (Gestaltberater*in)

  • 7 Wochenendseminare
  • 1 Wochenseminar
  • 8 Regionaltreffen

Begleitend zur Weiterbildung in der Gruppe sind folgende Einzel- und Kleingruppenmodule für das Zertifikat Gestaltberater*in zu absolvieren:

  • 50 Std. Gestalttherapie/Selbsterfahrung
  • 45 Std. Supervision (Kleingruppe)
  • 15 Std. Blocksupervision (1 WE)
  • 115 Std. berufsfeldbezogene Beratung als Praxisnachweis
  • Kolloquium
  • Hausarbeit

Rahmendaten
  • Dauer:3 Jahre
  • Preis:215,00 EUR mtl.
  • Ort:Seminarhaus
  • Termin(e):21.08. - 23.08.2026
  • Zertifizierung:DVG

Verwandte Weiterbildungen

Guten Tag, vom 13.07. bis 31.07.2026 befindet sich das HIGW im Betriebsurlaub.

Ab dem 03.08.2026 sind wir wieder für Sie erreichbar.

Danke für Ihr Verständnis und freundliche Grüße,

HIGW-Team

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